Die Grafen von Clam-Gallas

Bedeutende Persönlichkeiten der gräflichen Familie von Clam-Gallas
Der Barockpalast in der Hus-Straße der Prager Altstadt trägt den Namen derer von Clam-Gallas. Mit dem Bau begann man noch in der Ära Johann Wenzels von Gallas. Seine jetzige Gestalt erhielt der Palast durch die Verwandten derer von Gallas, die Grafen von Clam. In der Zeit der Familie von Clam-Gallas entstanden der klassizistische Neubau des Reichenberger Schlosses und der Neorenaissance-Teil des Schlosses in Friedland. Die von Clam-Gallas als Mitglieder der neuen Adelsfamilie hatten das Glück, dass unter ihnen bemerkenswerte Persönlichkeiten lebten und wirkten. Christian Philipp (1748–1805) gründete Bad Liebwerda/Lázně Libverda bei Haindorf und die Allee „Klamovka“ in Prag. Noch berühmter wurde sein Sohn, Christian Christoph (1771–1838). Er war der höchste Marschall des Königreichs Böhmen, Mitbegründer und Vorsitzender der Gesellschaft der patriotischen Kunstfreunde und der Kunstfreunde des Kirchenmusikvereines. Er galt als Kenner der damaligen bildenden Kunst, des Theaters, der Literatur, der Musik und als Mäzen. Er selbst war talentiert, malte und zeichnete sehr gut. Ganz andere Interessen hatte sein Sohn Eduard von Clam-Gallas (1805–1891). Schon als 18 jähriger begann er seine militärische Karriere als Kadett eines Kürassier-Regimentes. Im Alter von 30 Jahren avancierte er zum Major und 16 Jahre später zum Generalmajor. Er wurde als österreichischer General unter Marschall Wenzel Radetzky von Radetz durch die Feldzüge in Italien (1848–1849) berühmt. Als einziger seiner Familie erhielt Eduard den Orden des Goldenen Vlieses. Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 erlitt er mehrere Niederlagen. Seine persönlichen Feinde haben angeblich dazu beigetragen, dass er als 60jähriger vor ein Kriegsgericht gestellt wurde. Es sprach ihn zwar frei, politisch jedoch war er sehr geschwächt. Für das österreichische Kaiserhaus blieb er trotzdem eine Autorität, auch für viele Adelige und vor allem für die Bewohner seiner nordböhmischen Güter ein aufrichtig bewunderter Wohltäter. Eduards einziger Sohn und letztes männliches Stammesmitglied, Franz von Clam-Gallas (1854–1930), war auch teilweise politisch tätig. Er unterstützte vor allem den Tourismus im Isergebirge und die Heimatforschung. Er vergrößerte inhaltlich die Schlossbibliothek in Friedland. Ein Bestand von fast 14 000 Bänden in mehreren europäischen Sprachen beweisen den Bildungseifer ihrer Besitzer. Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik 1918 wurden auch von Clam-Gallassche Herrschaftsgebiete durch die Bodenreform berührt. Sie schwächte allgemein die wirtschaftliche Grundlage der Großgrundbesitzer. So musste man das Reichenberger Schloss an den Staat verkaufen. Der letzte von Clam-Gallas hinterließ mit seiner Frau Marie, geb. Hoyos, sieben Töchter. Sie wurden in die Kinsky-, Schwarzenberg-, Arco-Zinneberg-, und Podstatzky-Liechtenstein-Familien verheiratet. Nur Edina ehelichte keinen Adeligen, sondern den Arzt und Dozenten Winkelbauer. Die zweitjüngste, Clothilde, trug den Namen von Clam-Gallas als ledige Dame bis zu ihrem Tode in Wien 1975.

Die Grafen von Clam-Gallas und ihre Besitztümer (1768–1945)
Die Besitztümer, welche die Grafen von Clam-Gallas von den von Gallas erbten, bestanden aus in Schlösser umgebaute gotische Burgen (wie Friedland) oder aus reinen Schlossbauten (wie Reichenberg seit 1634), Lämberg (seit 1716), Grafenstein (seit 1704) und Tschernhausen/Černousy (niedergerissen kurz nach 1981). Die anderen Objekte ließen die von Clam-Gallas selbst bauen: das klassizistische Schloss in Bad Liebwerda/Lázně Libverda, das Jagdhaus beim Wittighaus/Smědava im Isergebirge (1910, abgebrannt 1969) und das Jagdschloss auf der Neuwiese/Nová Louka (nach 1844 umgebaut, nach der Bodenreform von 1919 dem Tschechoslowakischen Staate anheim gefallen). Größere und kleinere – ständige und saisonale – Aufenthaltsorte besaßen die von Clam-Gallas nicht nur in Nordböhmen, sondern auch in den verschiedensten Orten der jetzigen Tschechischen Republik.
In Ostböhmen baute Johann Christian von Clam-Gallas das Schloss Dětenice/Jetteniz (bei Jičín/Gitschin) in den Jahren 1762–1765 um. Er verkaufte es mit dem Schloss Mcely/Mzell im Jahr 1797 an Baron Jakub Wimmer. Er erwarb auch das Schloss Rožďalovice/Roschdialowitz bei Nymburk/Nimburg im Jahre 1793 von Christian Philipp von Clam-Gallas. Das Schloss Pohled/Frauenthal bei Havlíčkův Brod/Deutschbrod kaufte Klotilde von Clam-Gallas 1864 von Eugen Sylva-Taroucca. Dann ging es in das Erbe und Besitztum der Gräfin Clotilde von Festetics über. 1945 wurde es konfisziert. Das Schloss Přibyslav/Pribislau bei Havlíčkův Brod übernahm Clotilde von Clam-Gallas im Jahre 1862 von Josef von Dietrichstein. Nach ihrem Tod (1899) erbten das Objekt ihre Töchter Eduardine Khevenhüller-Metsch und Clotilde Festetics-Tolna. Das Schloss wurde bei der Bodenreform von 1923 dem Tschechoslowakischen Staat übergeben.
In Mittelböhmen ließen Karl von Clam-Gallas und seine Gattin Celina Caroline Meade das Schloss Smečno/Smetschno bei Kladno 1838 umbauen. Das Schloss Obříství/Oberschistwi bei Mělník gehörte in den Jahren 1803 bis 1817 dem Grafen Christian Christoph von Clam-Gallas. Er ließ es 1810 renovieren. Sieben Jahre später verkaufte er es an General Franz Koller. Das Schloss Luštěnice/Luschtienitz bei Mladá Boleslav/Jungbunzlau kauften die von Clam-Gallas von Scherzer von Kleinmühl. Das Schloss Klecany/Groß Kletzen bei Prag, das Königin Maria Theresia einmal besuchte, gehörte der Familie von Gallas und deren Nachkommen in den Jahren 1727–1803. Das Objekt kaufte im Jahre 1803 schließlich Gastwirt František Vobořil.
Das Schloss Žďár nad Sázavou/Saar in Südmähren befand sich im 19. Jahrhundert im Besitz derer von Clam-Gallas und ging danach an ihre Verwandten Kinsky über. Im Jahre 1945 wurde es konfisziert.
Fünf Töchter hatten die Möglichkeit, die Schlösser ihrer Gatten zu benutzen. Deshalb konnten sich die von Clam-Gallas und ihre Verwandten auf den Schlössern in Orlík/Worlik, Hluboká/Frauenberg, Karlova Koruna bei Chlumec nad Cidlinou/Chlumetz an der Zidlina, im Prager Clam-Gallas-Palast, in der Villa zu Haindorf und an anderen Orten treffen.
Das geerbte Palais in Wien, Währingerstrasse 30, mussten die von Clam-Gallas-Töchter wegen finanzieller Schwierigkeiten 1954 an den französischen Staat verkaufen.

 

 

Text: Milan Svoboda