Ehrung für Franz Clam-Gallas

Ein Konzert zum 160. Geburtstag von
Franz Graf von Clam-Gallas
 
Kirche Maria Heimsuchung in Haindorf
26. 7. 2014  15.30 h.
 
Ehrengäste
    Agathe Széchényi, Jenö Széchényi

Musik
Krok Quartett
    1. Geige Barbora Koutská
    2. Geige Jan Hudousek
    Viola Zuzana Bařinková
    Violoncello Jitka Felcmanová
Orgel

    Hans Lau

Laudatio pro Francisci Comitis Clam-Gallas
    Milan Svoboda

 

Programm

Einleitungswort Jan Heinzl (pdf.)

Grußwort Frau Agathe Széchényi (pdf.)

 W. A. Mozart: Streichquartett KV. 458, No. 17, "Jagdquartett", 1. Satz - Allegro vivace assai
 J. Haydn: Streichquartett op. 33, No. 3 "Vogel", I. Allegro moderato, II. Scherzando. Allegretto, III. Adagio, IV. Rondo. Presto

 W. A. Mozart: Divertimento D Dur, K. 136, I. Allegro, II. Andante,  III. Presto

 M-A. Charpentier: Te Deum Prelude /Orgel/

 

Laudatio

Zum 160. Geburtstag des Grafen Franz von Clam-Gallas

Die Haindorfer Kirche birgt viele Schätze der Vergangenheit. Nicht nur aus der Barockzeit. Sie birgt auch die Geheimnisse menschlicher Schicksale. Eines liegt hier vor uns und gleichzeitig unter uns. Wir sehen es nicht und in ähnlicher Weise sehen wir auch Lebensläufe der Menschen nicht, die vor uns über diese Erde hier geschritten sind. Einer der Metallsärge in der Familiengruft der Grafen von Gallas und Clam-Gallas bewahrt die Überreste jenes Mannes, an dessen 160. Geburtstag wir heute erinnern.
Franz Clam-Gallas wandelte 75 Jahre über die irdischen Gefilde und erlebte viele Veränderungen. Rufen wir uns die wichtigsten in Erinnerung: Das Licht der Welt erblickte er am 26. Juli 1854 auf dem Schloss in Reichenberg. Als er am 20. Januar 1930 seine Augen für immer schloss, geschah das auf dem Schloss Friedland, weil jenes in Reichenberg denen von Clam-Gallas damals nicht mehr gehörte.
Franz Clam-Gallas wurde als zweites Kind des Ehepaares Klotilde von Dietrichstein-Proskau-Leslie und Eduard Clam-Gallas geboren; 1851, also drei Jahre vor ihm, war den Eltern bereits Eduardine geboren, fünf Jahre nach Franz kam als letztes Kind Klotilde zur Welt. Er selbst führte zwar den erblichen Titel eines Grafen, durfte ihn aber im letzten Jahrzehnt seines Lebens öffentlich nicht mehr benutzen, weil die Adelstitulatur in der Tschechoslowakei per Gesetz aufgehoben worden war.
Als Franz Clam-Gallas geboren wurde, war sein Vater Eduard fast fünfzig Jahre alt, seine Mutter Klotilde 26 Jahre, also wesentlich jünger als ihr Gatte. Danach bekamen sie keinen weiteren Sohn.
Franz wurde das erste Mal Vater im Alter von 32 Jahren, seine Gattin Maria, geborene Hoyos, war vier Jahre jünger. Sie bekamen zwar keinen Sohn, aber im Laufe der vierzehn folgenden Jahre sieben Töchter. Ein ähnliches Schicksal verband sie mit der befreundeten fürstlichen Familie von Rohan auf dem Schloss Sichrow unweit von Reichenberg.
Franz Clam-Gallas war der letzte männliche Spross seines Stammes, der der kaiserlichen Familie treu ergeben war und der Zutritt bei Hofe in Wien hatte. Als Franz Clam-Gallas geboren wurde, herrschte seit sechs Jahren der junge Kaiser Franz Josef I. Zum Zeitpunkt des Ablebens des alten Clam-Gallas stand die Tschechoslowakische Republik schon zwölf Jahre unter der Leitung des demokratisch gewählten Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk. Von seinen Beziehungen zum alten Franz Clam-Gallas ist nichts bekannt, obwohl sich beide Männer schon zu der Zeit kennen gelernt haben konnten, als der junge Masaryk an der Wiener Universität wirkte und später als Abgeordneter im Parlaments saß. Aber Franz Clam-Gallas war als Adeliger Mitglied des Herrenhauses. Außer dieser Pflicht nahm er an der Politik keinen wichtigen Anteil und versuchte es auch nicht.
Franz Clam-Gallas war zur Verwaltung des überkommenen Erbes bestimmt. Im Unterschied zu seinem Vater interessierte ihn die Militärlaufbahn nicht. Seine Vorliebe galt viel mehr den Wäldern und den damit beruflich verbundenen Menschen. Ihm verdankt das Isergebirge schon am Ende des 19. Jahrhunderts einen anschwellenden Strom von Touristen. Sie wanderten auf den markierten Pfaden, die der Deutsche Jeschken- und Isergebirgs-Verein unterhielt. Franz Clam-Gallas pflegte umfangreiche und rege Kontakte zu vielen bürgerlichen Genossenschaften und Vereinen, die von ihm auch finanzielle Unterstützung bekamen. Einige davon ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Das beweisen bis heute erhaltene Ehrenurkunden, so zum Beispiel die des Haindorfer Feuerwehrvereins, der unlängst der 140 Jahre seiner Existenz gedachte und der Franz Graf Clam-Gallas neun Jahre nach der Gründung ein Ehrendiplom übergab. Als 60-jähriger erhielt Franz Clam-Gallas auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt Reichenberg.
Gerade „Ehre“ gehört zu den wichtigsten und am häufigsten benutzten Wörtern, die mit dem Namen Franz Clam-Gallas in enger Verbindung stehen. Berühmt war vor allem seine Sorge um den Schutz von Denkmälern wie z. B. 30 Kirchen und insgesamt vier Familienschlösser in Friedland, Reichenberg, Grafenstein und Lämberg, Paläste in der Prager Altstadt und in Wien. Er kümmerte sich um seine ehemaligen Untertanen. Nach Kräften half er ihnen auch nach den politischen Veränderungen des Jahres 1918. Die Fürsorge lernte er schon in der Kindheit sicher dank seiner Mutter Klotilde. Er war u. a. auch Mitglied des Malteserordens und über das Rote Kreuz half er den vom Weltkrieg schwer getroffenen Menschen. Auch einige seiner ledigen Töchter halfen dabei mit.
Franz Clam-Gallas wuchs als Mann der Wirtschaft heran, der bereit war, eines Tages seine gut walteten Herrschaften an seine männlichen Nachkommen zu übergeben. Er bekam aber keine Söhne, und von den Gütern, die er ihnen übergeben sollte, blieb ihm nach der Bodenreform in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nur ein Drittel. Der Verlust der wirtschaftlichen Grundlage musste seine Unterstützungsmöglichkeiten für die Armen- sowie für den Denkmalschutz negativ beeinflussen. Seine Absenz vom politischen Geschehen führte den alten Herrn ähnlich wie seine Standeskollegen und Altersgenossen zu umso intensiverer Fürsorge für die Familie, die Töchter und Enkel. Diese Abstinenz trug auch zur Geschlossenheit des Zirkels der ehemaligen Aristokratie bei, deren Stellung und Einfluss in der Zeit der demokratischen Republik sehr gering war. Auch deswegen wollte der alte Graf das Familiengedächtnis erhalten und stärken. Man sieht es auch an seinem Einsatz, das große Archiv auf Burg Friedland eingliedern zu lassen. Hier wurden aufbewahrt Erinnerungen an die Grafen von Clam-Gallas und an ihre Vorfahren Gallas sowie an die älteren Inhaber der Herrschaften Friedland und Reichenberg, und zwar an Herzog Albrecht von Waldstein, an die von Redern und die von Biberstein. Umfangreich war die Familienbibliothek; allein in Friedland sind bis heute vierzehn Tausend Bände verblieben.
Als 50-jähriger wusste Franz Clam-Gallas, dass er „der Letzte seines Stammes“ war und bleiben würde, wie auf dem Metallschild auf seinem Sarg geschrieben steht. Aber nicht nur dieses Bewusstsein und diese Sicherheit, sondern vor allem seine Erziehung motivierten ihn dazu, ein rechtschaffenes Leben zu führen, nach dessen Ende ein ehrendes Gedächtnis und eine liebende Erinnerung bleiben. Alles, was er tat, überlagerten neue Geschehnisse, vieles von seinem Wirken gibt es schon nicht mehr. Manches ging im Laufe der Zeit unter, manches wurde durch menschliche Böswilligkeit zerstört. Das Vergangene kommt nie zurück, aber man kann noch manches schützen, reparieren und erhalten auch für zukünftige Generationen.
Franz Clam-Gallas ging ins Bewusstsein der hiesigen Menschen ein als der gute Wirtschafter, Arbeitgeber, Verwalter und Isergebirgs-Beschützer. In seiner Familie wird das Andenken an den milden Vater und treuen Freund hochgehalten. Er ist dabei in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten, die ihrem Wappen eine lateinische Devise darüber angefügt haben, dass sie dem Schicksale tapfer gegenübertreten wollen, sei es wie es wolle: Fidem fati virtute sequemur.

Milan Svoboda